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Der Krieg der Nato in Jugoslawien

Tagesberichte über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe

58. Kriegstag - 20.5.1999

Zugeständnisse Milosevics - Weitere Berichte über Antikriegs-Proteste in Jugoslawien

Das Belgrader Präsidentenamt erklärte nach den Gesprächen Milosevics mit dem russischen Sonderbeauftragten Tschernomyrdin erstmals die Bereitschaft Jugoslawiens zu Verhandlungen auf der Grundlage der von den G-8-Staaten beschlossenen Grundsätze. Es betonte allerdings, daß die jugoslawische Regierung direkt an den Verhandlungen und der Ausarbeitung eines entsprechenden Vertrags beteiligt sein müsse.

Auffällig ist aber, daß dies genau in dem Moment erfolgt, wo sich in Jugoslawien offener Widerstand unter der Bevölkerung gegen den reaktionären Krieg regt. Es werden jetzt weitere Berichte über Protestaktionen bekannt, die sich gegen die verschiedensten Folgen des Kriegs auf die Bevölkerung richten. Neben den Protesten in Krusevac und Aleksandrovac werden offensichtlich auch in Cacak, einem Zentrum des Bombenterrors der Nato, jede Woche Antikriegs-Demonstrationen abgehalten. Nach einem Bericht des montenegrinischen Fernsehens hat dort ein selbsternanntes "Bürgerparlament" die Regierung in Belgrad zu sofortigen Verhandlungen über eine Beendigung des Kriegs aufgerufen. Ein Mitglied des "Parlaments", Milan Kandic, warf dem jugoslawischen Militär vor, Panzer und andere Ausrüstung in der Stadt so stationiert zu haben, daß bei den Nato-Angriffen auf Cacak Zivilisten getötet oder verletzt worden seien. Die Demonstranten in Krusevac protestierten insbesondere gegen die Medienberichterstattung, die nur über die zivilen Opfer der Nato-Angriffe, nicht aber über die Verluste der eigenen Truppen berichtet. Auf einem Plakat stand: "Krusevac Radio-TV lügt. Tote brauchen kein Kosovo!" Die Proteste hatten sich unter anderem daran entzündet, daß am letzten Freitag Leichen von Soldaten der serbischen Armee in die Städte zurückgebracht wurden. (FR, AP 20.5.99) Das US-Außenministerium berichtete über die angebliche Desertion von bis zu 500 Soldaten aus der Armee, nachdem sie von dem brutalen Vorgehen der Polizei gegen die Demonstranten in Krusevac gehört hatten.

Das staatliche Fernsehen in Jugoslawien hatte gestern auch eine Erklärung des kürzlich aus der Regierung entlassenen Vizepremiers Draskovic veröffentlicht, in der dieser ebenfalls die von den G-8-Staaten beschlossenen Grundsätze begrüßt. In der Erklärung seiner "Serbischen Erneuerungsbewegung" hieß es: "Der G-8-Plan bietet die Möglichkeit, diese schreckliche Aggression gegen Jugoslawien zu beenden." Weiter heißt es, es gebe keine Gründe, ihn nicht zu akzeptieren. (AP 20.5.99)

G-8-Länder konnten sich noch nicht auf gemeinsame Resolution für Sicherheitsrat einigen

Der Leiter der russischen Delegation, Majorski, beharrte bei den Verhandlungen, die dazu gestern in Bonn geführt wurden, vor allem auf einem Angriffsstopp der Nato als Voraussetzung für Verhandlungen mit Jugoslawien. Auf dem Treffen sollten die Eckpunkte einer Resolution des UNO-Sicherheitsrats erarbeitet werden. Strittig war auch die Zusammensetzung der internationalen "Schutztruppe" für den Kosovo.

Nato-Luftangriffe fordern weitere Tote

Ein Schwerpunkt der Nato-Angriffe ist weiterhin gegen die Zivilbevölkerung im Kosovo gerichtet. Nach Berichten der jugoslawischen Medien kamen gestern bei den Luftangriffen mindestens 7 Menschen ums Leben, darunter 2 Insassen eines Gefängnisses in Istok im Nordwesten des Kosovo. Bei der Bombardierung eines Fabrikrestaurants in Gnjilane im Kosovo starben 4 Menschen.

UNO leugnet Umweltschäden durch Nato-Bomben im Kosovo

Eine internationale "UNO-Expertenkonferenz" in New York kam zu dem Ergebnis, es seien bisher keine größeren Umweltschäden durch die Nato-Bombenangriffe in Jugoslawien zu erkennen. Das gelte sowohl für die angebliche Verseuchung des Donau-Wassers wie auch für andere Umweltschäden durch den Krieg. (dpa 20.5.99)

Im Gegensatz dazu warnt sogar das Bundesumweltamt vor einer möglichen Öko-Katastrophe in Jugoslawien. Nach einem internen Papier der Behörde sind Katastrophen wie in Seveso wahrscheinlich. Die ökologischen Schäden drohen sich auch über die Landesgrenzen hinaus zu verbreiten und seien möglicherweise nicht mehr vollständig zu beseitigen. Dies gilt vor allem für Umweltgifte, die aus zerstörten Industrieanlagen austreten und Böden und Grundwasser verseuchen. (dpa 20.5.99) In dem Papier heißt es dazu: "Es muß darauf hingewiesen werden, daß eine zivile Nutzung weiter Teile dieser Regionen wegen der Kontaminationen von Boden, Grund- und Oberflächenwasser nicht möglich sein wird. (...) Die Einleitung der Gefahrstoffe in Oberflächengewässer kann zur weiträumigen Schädigung der Ökosysteme führen. Die Deposition von Gefahrstoffen in Böden kann je nach Eigenschaft der Stoffe und Böden zu langanhaltenden Verseuchungen mit weitgehenden Nutzungseinschränkungen führen." (taz 20.5.99)


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