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Die Welt am Sonntag meldet am 14.10.01:
"Rot-Grün billigt den Export chemischer und
biologischer Kampfmittel, wie ein Bericht der Bundesregierung belegt.
Deutschland beteiligt sich an der Rüstung mit den gefürchteten
und umstrittenen biologischen und chemischen Waffen für den Kriegsausbruch.
Die Mitwirkung daran geschah 1999 mit Wissen der rot-grünen Bundesregierung.
Das geht aus dem jüngsten Rüstungsexportbericht der Regierung
hervor, die der Welt am Sonntag vorliegt. In der Liste der ‘wichtigsten
Hauptempfänger’ von Rüstungsgütern tauchen auch die USA
auf. Dort schlüsselt die Bundesregierung für 1999 auf: Zum Waffenexport
gehören ‘chemische und biologische Agenzien’. Agenzien sind nach
einer Definition des Robert-Koch-Instituts in Berlin ‘Erreger’. Diese
Stoffe machten immerhin 12 Prozent des deutschen Rüstungsexports
in die USA aus und hatten einen Wert von 77,4 Millionen Mark. In dem Bericht
der Bundesregierung heißt es unter anderem: ‘Biologische Agenzien
und radioaktive Stoffe für den Kriegsgebrauch (zu Außergefechtsetzung
von Menschen und Tieren, zur Funktionsbeeinträchtigung von Geräten
oder zur Vernichtung von Ernten oder der Umwelt) und chemische Kampfstoffe’.
‘Folgende chemische Kampfstoffe’ sind eingeschlossen: Nervenkampfstoffe,
Hautkampfstoffe, Psychokampfstoffe und Entlaubungsmittel. Die seuchenmedizinisch
wirksamen Substanzen für Krankheitserreger werden in deutschen Laboratorien
aufbereitetet beziehungsweise gezüchtet." Zum Thema Biowaffen schreibt die tageszeitung:
"Die Hysterie kann heilsam sein" "’Ich kann keine Sprühflugzeuge mehr sehen’,
kommentiert Jan van Aken, Geschäftsführer der deutschamerikanischen
Organisation ‘Sunshine Project’, die Biowaffen-Hysterie, die nun auch
Deutschland erreicht hat. Ein Anschlag mit begrenztem Ausmaß sei
durchaus denkbar. ‘Szenarien mit 100.000 Toten muss man aber als Sciencefiction
bezeichnen’, sagt der Zellbiologe. Selbst die USA haben ... 20 Jahre an
der komplizierten Technologie zur Verteilung von Biokampfstoffen gearbeitet.
Nichtstaatliche Organisationen seien nicht dazu fähig. Denn es gelte
Aerosole herzustellen, bei denen exakt die Tröpfchengröße
erreicht werden muss, die zur Aufnahme durch die menschliche Lunge nötig
ist. Auch Oliver Meier, Projektleiter bei Vertic, einem Londoner Forschungsinstitut
für die Kontrolle von Rüstungskontrollverträgen, hält
Anschläge von ‘militärischen Dimensionen’ nur dann für
möglich, wenn ein Staat die Entwicklung und Produktion unterstützt.
Deshalb sieht er die Verbesserung der Biowaffen-Konvention als einzigen
Weg, Terroranschläge mit derartigen Waffen zu verhindern. (...) Internationale
Verträge zur Kontrolle von Biowaffen würden zwar auch keinen
hundertprozentigen Schutz bieten, aber es sei das einzig denkbare Mittel
zur Prävention. Da alle Wege genutzt werden müssten, sei die
Stärkung der Biowaffen-Konvention nötiger denn je. (...) Ausgerechnet
das Land, in dem jetzt die größte Angst vor einem Biowaffen-Anschlag
umgeht, war bislang Hauptgegner einer Stärkung dieses von fasst allen
wichtigen Staaten unterzeichneten Vertrages: die USA. Erst vor wenigen
Monaten haben sie es verhindert, den Vertrag zu verschärfen. Im Juli
gab die US-Regierung bekannt, dass sie das in den letzten sechs Jahren
im Konsens ausgehandelte Verifikationsprotokoll zur Regulierung von Verdachtskontrollen
in den Unterzeichnerstaaten ablehnen. (...) Im September deckte die New
York Times auf, dass US-Geheimdienste mehrere Programme betrieben,
die unter den Biowaffen-Konvention verboten sind, Damit wurden die tatsächlichen
Gründe für die Ablehnung der USA klar. Unter anderem sind die
US-Regierungsstellen, den inzwischen bestätigten Berichten zufolge,
damit beschäftigt, ‘Bomblets’ zur Verteilung der Kampfstoffe zu bauen
- angeblich um Verteidigungsmaßnahmen zu entwickeln." (taz
11.10.01) Milzbrand, auch Anthrax genannt, gehört zu den Klassikern der biologischen Kampfstoffe. Es handelt sich um eine bakterielle Infektionserkrankung, von der vor allem in wärmeren Regionen Rinder, Pferde, Schafe oder Schweine betroffen sind. Durch engen Kontakt mit erkrankten Tieren kann der Erreger auf den Menschen übertragen werden. Die Infektion kann sowohl über die Haut geschehen als auch durch Einatmen der Keime über die Lunge oder durch Verzehren befallener Lebensmittel. (...) In industrialisierten und kühleren Regionen ist die Krankheit sehr selten. (...) Obwohl Milzbrand keine hoch infektiöse Krankheit ist - eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist sehr selten - gehören die Anthraxbazillen zu den bevorzugten B-Waffen. (...) Dass die Milzbranderreger bei B-Waffen-Entwicklern so beliebt sind, liegt an der Robustheit der Keime. Andere potenzielle B-Waffen können in der Regel nur in Flüssigkeiten aufbewahrt und transportiert werden. Sie müssen mit aufwendiger Technik als feine Aerosole ausgebracht werden, damit sie ihre tödliche Wirkung entfalten können. Dagegen lässt sich bei Anthrax aus den widerstandsfähigen Sporen relativ leicht feines Pulver herstellen, das ohne großen technischen Aufwand ausgebracht werden kann. Aber auch hierzu bedarf es enormer Fachkenntnisse: Denn die Lunge nimmt nur Körner in bestimmten Größen auf, aus denen sich der lebensgefährliche Lungenmilzbrand entwickelt." |