| UNO empfiehlt neues
"Souveränitätsprinzip"
Die Neue Zürcher
Zeitung berichtet über eine UNO-Kommission, die die "humanitäre
Interven-tion" propagiert:
"Die Kommission empfiehlt den Staaten und ihren Regierungen einen
neuen Umgang mit dem Souveränitätsprinzip: Als ihre vornehmste
Pflicht sollten sie den Schutz ihrer Bevölkerung be-trachten. Sollte
ein Land nicht willens oder in der Lage sein, seine Bevölkerung zu
schützen, müsste das Prinzip der Nichteinmischung in die inneren
Angelegenheiten eines souveränen Staates von der Staatengemeinschaft
außer Kraft gesetzt werden - mit dem Einsatz militäri-scher
Gewalt als letztem Mittel. 'Der wichtigste Zweck einer Intervention muss
sein, menschli-ches Leid zu stoppen oder zu verhindern', erklärt
die Kommission. Einschränkend heißt es: 'Je-der Einsatz militärischer
Gewalt von außen, beispielsweise um Grenzen zu verändern oder
den Anspruch einer Gruppe auf Selbstbestimmung zu unterstützen, kann
nicht gerechtfertigt wer-den.' Interventionen kämen ausschließlich
bei Völkermord und Vertreibung in Frage.
Der Grundsatzstreit um eine Einschränkung der staatlichen Souveränität
hat in einigen Konflik-ten den Sicherheitsrat blockiert: Die ständigen
Mitglieder Russland und China betrachten die Krisen in Tschetschenien
und Tibet als innere Angelegenheiten, die ohne internationale Einmi-schung
zu lösen seien. Ihr Position wird auch von Indien - wegen des Kaschmir-Konflikts
- und mehreren Entwicklungsländern unterstützt. Die Kommission
führte nach eigenen Angaben elf regionale Gesprächsrunden, um
die größtmögliche Meinungsvielfalt zu erhalten. 'In allen
unse-ren Konsultationen war der Tenor sehr eindeutig: In Fällen,
die so nachhaltig das Gewissen der Welt erschüttern, die eine Gefahr
für die internationale Sicherheit darstellen, sind militärische
Zwangsmaßnahmen gerechtfertigt', sagte der Kopräsident der
Kommission, Mohamed Sah-noun. Russland, China und Indien lehnten Interventionen
nicht ab, bestünden aber in jedem Fall auf einem Mandat des Sicherheitsrates."
(NZZ 28.12.01)
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