| "USA geben
Russland im Pipeline-Poker am Kaspischen Meer freie Hand"
(Handelsblatt 4.12.01) Die neue Politik Washingtons
bedeutet das wahr-scheinliche Aus für das konkurrierende, von den
USA bislang massiv protegierte Pipeline-Projekt von Baku (Aserbaidschan)
über Georgien bis in den tür-kischen Schwarzmeerhafen Ceyhan.
Das trifft zwar auf wütenden Protest der bisher engsten US-Verbündeten
in der Region, die Türkei und Aserbai-dschan. Doch müssen deren
Interessen hinter der neuen Partnerschaft von US-Präsident George
W. Bush und seinem russischen Gegenpart Wladimir Putin zurückstehen. Damit beendet der
Ex-Ölmanager Bush die Groß-machtpolitik seines Vorgängers
Bill Clinton in Mittel-asien, der eine Vielzahl von strategischen Interessen
in der Region über jede wirtschaftliche Vernunft ge-stellt hatte.
Dabei geht es immer um die Frage, wer die Exportrouten der neuen Öl-
und Gasfelder der kaspischen Region festlegt und damit über die Verteilung
der massiven Einkünfte aus Förderung und Transit der Energiereichtümer
bestimmt. Ökono-misch geboten wäre die Exportroute durch den
Iran an die Ölterminals im Persischen Golf. Doch war - und bleibt
- oberstes Ziel der USA, Teheran aus dem Geschäft her-auszuhalten.
Zugleich wollte die Clin-ton-Administration Moskaus Vorherrschaft in der
Region begrenzen und dafür die Partner in Ankara und Baku aufwerten. Die kostspielige Pipeline
in die Türkei hätte sich aber nur rentiert, wenn sie einen Großteil
der gesamten Fördermenge der Region aufgenommen hätte. Dazu
war unter anderem eine Zulieferröhre von Turkmenistan unter dem Kaspischen
Meer hindurch nach Baku geplant. Doch mit dem Segen Washingtons für
die Inbetriebnahme der CPC-Pipeline sind diese Pläne nun obsolet. Der Sinneswandel der
USA kam aber erst durch die grundlegende Veränderung der geostrategischen
Koordinaten im Zuge der Anti-Terror-Kampagne in Gang. Russlands Präsident
hatte sich sofort nach dem 11. September eindeutig auf die Seite Amerikas
gestellt und eine militärische Präsenz Washingtons im eigenen
Einflussbereich ermöglicht. Da Putin zudem erkannt hat, bei Projekten im eige-nen Land wie im russischen Hinterhof auf Investitio-nen der US-Konzerne angewiesen zu sein, gibt es für die alte Rivalität in der Region keine Basis mehr. Substanzlos sind auch Vermutungen, Washington wolle in Kabul ein genehmes Regime sicherstellen, um die Basis für Exportpipelines durch Afghanistan zu legen. Zwar hatte der US-Konzern
Unocal 1997 einen Vertrag mit Turkmenistan und Pakistan geschlossen, eine
Gaspipeline durch Afghanistan in Richtung Indien zu bauen. Nicht zuletzt
war das ein Grund Washingtons, in den Anfangsjahren des Taliban-Regimes
den Kontakt zu Kabul zu suchen. Doch als Terrorchef Osama bin Laden unter
die Obhut der Taliban floh, brachen diese Pläne zusammen. Heute dementiert
Unocal jedes Interesse an dem Projekt. Für die Energieversorgung
der USA hat es ohnehin keine Bedeutung. |