Der Traum vom nordirakischen Öl


"Der türkischen Ölgesellschaft TPAO ist es schon besser gegangen, die Wirtschaftskrise hat auch die staatlichen Ölingenieure getroffen. Nun aber sucht die TPAO wieder neues Personal. Jedenfalls verkündete dies ihr Generaldirektor Kenan Veziroglu beim Festakt zum 47-jährigen Bestehen der Gesellschaft im südostanatolischen Batman, das als 'Ölstadt' des Landes gilt - auch wenn es dort kaum ergiebige Quellen gibt. Mehr Öl gibt es im Irak, dessen Grenze ist gerade mal 150 Kilometer von Batman entfernt.

Veziroglus Gedanken schweiften weit über diese Grenze hinweg. Die Türkei, verkündete ihr oberster Ölmanager, werde Anfang 2002 beginnen, im Norden des Irak an zehn verschiedenen Plätzen nach Öl zu suchen - in einem Gebiet, das eigentlich von Kurdenführer Massoud Barzani und seiner Demokratischen Partei KDP kontrolliert wird. Veziroglus Ankündigung fällt zusammen mit vielfältigen Spekulationen über die Zukunft des Irak. Ankara hat mehrfach seinen Widerstand gegen einen möglichen Angriff der USA auf den Autokraten Saddam Hussein erklärt. Der Norden des Irak gilt seit dem Golfkrieg vor zehn Jahren als quasi autonomes Gebiet. Die dort lebenden Kurden werden aus der Luft durch britische und amerikanische Kampfjets geschützt, die auf dem türkischen Stützpunkt Incirlik stationiert sind. Die türkische Armee hat zudem immer wieder Guerillas der kurdischen PKK bis in den Nordirak hinein verfolgt.

Eine Öl-Exploration in dem Gebiet aber könnte die TPAO nicht ohne Zustimmung Bagdads unternehmen, genauso wenig wie ohne Einverständnis der KDP. Angesichts des UN-Embargos gegen den Irak müssten auch die Vereinten Nationen zustimmen. Der Europavertreter der KDP, Anün Al-Delawi, sagte der Süddeutschen Zeitung: 'Von unserer Seite gibt es noch keine solche Erlaubnis.' Viele versuchten, in den Kurdengebieten Projekte und Geschäfte zu realisieren, aber, so Al-Delawi, 'hier geht es um die Souveränität des Irak'. Ankara und Bagdad haben in letzter Zeit, von Washington misstrauisch beäugt, ihre Beziehungen verbessert. Türkische Pläne, mit Bagdads Einverständnis neben dem bisher einzigen Grenzübergang bei Habur ein zweites Tor zu bauen, haben die KDP heftig verärgert.

Dies würde der Kurdenpartei lukrative Einnahmen aus dem - eigentlich illegalen - Grenzhandel vor allem mit Ölprodukten wegnehmen. Die KDP setzt auch im Streit um den Grenzübergang auf ihre Beschützer in Washington und London. (...) Die Türkei führt stets ihre Milliarden-Verluste durch den Zusammenbruch des legalen Irak-Handels nach dem Golfkrieg ins Feld, wenn sie ihre Annäherung an Bagdad begründen möchte. Mete Gürel, Vizedirektor der staatlichen Ölgesellschaft, sagte der Süddeutschen Zeitung, die Turkish Petroleum International Company, eine TPAO-Tochter, habe bereits einen Vertrag mit der irakischen Regierung. Man werde bei 20 Ölfeldern in der Nähe von Mosul aktiv werden, dabei aber nur Ingenieurleistungen anbieten. Dafür gebe es bereits eine Genehmigung der UN, auf die Ankara eineinhalb Jahre gewartet habe." (sz 14.12.01)

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