Aus welchen Labors stammen die Milzbrand-Erreger ?

Zwei Beiträge aus der jungen Welt

"Anthrax made in USA

Spuren von Anthrax-Attacken in den USA weisen auf rechte Milizen hin. Nachdem in den Vereinigten Staaten in den vergangenen Wochen mehrere Fälle von Milzbrand (Anthrax) in Regierungsinstitutionen und Redaktionen aufgetreten sind, mehren sich die Hinweise auf rechtsextreme Täter im eigenen Land. Während die Nachrichtenagentur AFP es stellvertretend für die allgemeine Berichterstattung bedauert, über »noch keine eindeutige Spur« zu Osama bin Laden berichten zu können, wissen es selbst US-amerikanische Institutionen besser. Nach jüngsten Informationen der Staatlichen Universität von Iowa liegt es nahe, dass die untersuchten Milzbrandbakterien aus US-Labors stammen. Demnach gleicht der Bakterienstamm, an dem ein 65jähriger Mann am 5. Oktober in Palm Beach im Bundesstaat Florida gestorben ist, einer Anthrax-Art mit dem Namen »Ames«. Dieser Bakterienstamm war 1980 vom Nationalen Veterinärlabor von einer erkrankten Kuh isoliert und zur weiteren Untersuchung in ein Militärlabor in Frederick, Maryland gebracht worden. Das FBI hat die Meldung nicht bestätigt. Falls sich der Verdacht aber bewahrheitet, dürfte es als bewiesen gelten, dass der Ursprung der Milzbrandattacken im eigenen Land liegt. Der Bakterienstaub wäre aus den Hochsicherheitslabors des Militärs entwendet worden. Bekannt ist, dass rechtsextreme Strukturen bis in die US-Armee reichen. Auch der Gouverneur von Pennsylvania und Vorsitzende der Kommission zur Inneren Sicherheit, Thomas Ridge, bestätigte am Freitag bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus, dass die an verschiedene Orte in den USA versandten Bakterien keine Unterschiede aufweisen. »Nach unseren Erkenntnissen handelt es sich um die gleichen Stämme«, sagte Ridge auf Nachfrage von Journalisten. Tatsächlich halten sich US-Militärs derzeit in Stellungnahmen mit Schuldzuweisungen an den saudischen Fundamentalistenführer Osama bin Laden auffällig zurück. (...) Für wahrscheinlich hält auch der Berliner Politikwissenschaftler Thomas Grumke die Täterschaft von US-amerikanischen Rechtsextremisten. Im Interview mit Neues Deutschland wies Grumke auf die Organisation »Aryan Nation« (Arische Nation) hin. 1995 war ein der Gruppe angehörender Mikrobiologe mit einer Lieferung Pesterreger festgenommen worden. Drei Jahre später hätten US-Behörden Pläne der Bewegung »Christian Identity« (Christliche Identität) aufgedeckt, die Trinkwasserreserven großer Städte mit Zyanid zu vergiften. Als gesichert darf gelten, dass sich die US-Regierung künftig verstärkt auch mit Terror im eigenen Land beschäftigen muss. Schon bei dem Anschlag auf ein Regierungsgebäude im April 1995 in Oklahoma City standen zunächst radikalislamische Terroristen unter Verdacht. Hinter dem Anschlag aber stand der Rechtsextremist Timothy McVeith.

(junge Welt 23.10.01)

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