"Koalition für Leben und Frieden"


"Leben und Frieden sind untrennbar miteinander verknüpft. Krieg vernichtet Leben. Mehr, Krieg unterbricht heute den zivilisatorischen Entfal-tungsprozess und gefährdet die Zukunft der Menschheit, Die politischen Systeme sind offen-sichtlich außer Stande, Kriege zu verhindern und Herausforderungen der Zukunft, wie die Eindäm-mung von Umweltkatastrophen, Hunger, Armut und Wasserknappheit, weltweite Geschlechterge-rechtigkeit und die Verwirklichung der Menschen-rechte, allein zu bewältigen. Wir sind aber der tie-fen Überzeugung, dass die Menschen prinzipiell über ein beträchtliches Überlebenspotenzial ver-fügen, um die Herausforderungen der Zukunft meistern und dafür auch neue zivilisatorisch wei-terführende Wege finden zu können. Dies jedoch nur, wenn wir lernen, Wege zu finden, dass der eigene Vorteil auch zum Vorteil der anderen wird. Die Belebung zivilgesellschaftlicher Potenziale und Fähigkeiten als konstruktives Gegengewicht zu Parteien, staatlichen Institutionen und wirtschaftli-chen Eliten steht daher auf der politischen Agenda zu Beginn dieses Jahrhunderts.

Seit der Französischen Revolution hat die Menschheit beachtliche Fortschritte vor allem für den inneren Frieden und die Demokratie erzielt, ein Fortschritt für den Frieden innerhalb und zwi-schen vielen Staaten lässt dagegen immer noch auf sich warten. Selbst Staaten mit demokrati-scher Verfassung und Kultur führten in der Ver-gangenheit und führen auch heute Krieg zur Durchsetzung ihrer Interessen gegen andere Staaten. (...) Gleichzeitig führt die Menschheit ei-nen schleichenden Krieg gegen die Natur und zer-stört seit Beginn der Industrialisierung mit wach-sendem Tempo die natürlichen Lebensgrundlagen.
Die politischen Systeme erweisen sich zunehmend als unfähig, für existenzielle Probleme zukünftige Lösungen zu finden. Wir registrieren immer deut-licher eine tief greifende Demokratielücke. Wichti-ge Akteure der "großen Politik" begreifen sich als Vollstrecker der Interessen einer kleinen, wirt-schaftlich mächtigen und politisch einflussreichen Elite.

Die Anfälligkeit der gegenwärtigen politi-schen Systeme für ihre Instrumentalisierung zu Gunsten einer Elite ist eine der Hauptursachen für folgenreiche Ungleichgewichte und Spannungen, die in ökologische Verwüstungen, Armut und E-lend, Fluchtbewegungen, Terrorismus und letztlich zu Kriegen führen. Zur Bewältigung dieser Aufga-be rufen wird dazu auf, eine weltweite Koalition von gesellschaftlichen Kräften für Leben und Frie-den zu bilden. Wir rufen alle Menschen dazu auf, ihre Erfahrungen, Kompetenzen und ihr Wissen, unabhängig von Parteien, in das jeweilige politi-sche System einzubringen. Wir betrachten diese historische Aufgabe als einen Beitrag für die Wei-terentwicklung der Demokratie und der menschli-chen Zivilisation und gegen die Vernichtung von Leben. Wir wollen, dass Menschen neue Hoffnun-gen schöpfen, anstatt in Hoffnungslosigkeit, Le-thargie und Misstrauen gegenüber der Zukunft zu verfallen. Wir wollen uns global vernetzen, um gemeinsam die Hindernisse auf diesem Weg zu bewältigen. (...)"

Erstunterzeichner u.a. Franz Alt, Egon Bahr, Thilo Bode, Wal-ter Jens, Willi Hoss
(ND 05.12.01)

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