"Glücklose Kämpfer an der stillen Front"
schreibt die Süddeutsche Zeitung über die US-Geheimdienste:

"An Größe, Umfang und Ressourcen brauchen sich Amerikas Spione nicht hinter den uniformierten Kollegen vom Pentagon zu verstecken: Insgesamt dreizehn offizielle Spionage-, Lausch- und Aufklärungsdienste leistet sich die Supermacht USA - von NSA und CIA bis hinunter zu den eigenen Auslandsdiensten, welche das Energieministerium und das Schatzamt unterhalten. Sie alle beschäftigen allein im Großraum Washington ein Heer von mehr als 100.000 Mitarbeitern, die aus einem Budget von 30 Milliarden Dollar schöpfen können: Dies ist anderthalbmal mehr als Deutschland für seine Landesverteidigung ausgibt. Doch derweil Amerikas Streitkräfte vorerst nur in Afghanistan kämpfen, operierten Amerikas Aufklärer auf der ganzen Welt. (...) Wenn man den Internet-Analytikern von stratfor.com folgt, dann wurde mittlerweile ... sogar die Lizenz zum Töten erneuert. Nichts anderes soll jedenfalls die so genannte 'intelligence finding' bedeuten, die Präsident George W. Bush unlängst unterschrieb: Demnach dürfen Osama bin Laden und seine Helfershelfer bei verdeckten Operationen getötet werden - jederzeit und überall, und notfalls auch auf dem Territorium eines anderen Staates, ob er nun mit Amerika verbündet ist oder nicht. (...) Bis zum Jahr 1976, als US-Präsident Gerald Ford amerikanischen Dienststellen und Behörden die Ermordung von Ausländern untersagte, mischte die in der CIA dafür zuständige 'Directorate of Operations' (DO) weltweit mit im Attentatsgeschäft. Die Methoden der Central Intelligence Agency waren jedoch meist eher fantasievoll als erfolgreich. (...) Doch die Schwächen der amerikanischen Geheimdienste reichen tiefer als die der europäischen Kollegen. So sind beispielsweise die meisten von Washingtons Spionen bei ihrer Arbeit darauf angewiesen, das der von ihnen belauschte Gegner freundlicherweise englisch spricht. (...) Im Gegensatz zur CIA rühmt sich die Abhöragentur NSA, Experten für insgesamt 96 Sprachen zu beschäftigen. Die NSA, die in einer eigens für sie errichteten Kleinstadt mit mehr als 60 Gebäuden im Bundesstaat Maryland untergebracht ist, wurde praktisch ein Opfer ihrer eigenen Effizienz: Sie wurden von der Flut der gesammelten Informationen schlicht überschwemmt. Denn die 16.000 Computerfachleute, Mathematiker, Codebrecher und Linguisten in Cryptocity - wie das NSA-Hauptquartier intern genannt wird - sind Amerikas Augen und Ohren. Es gibt fast nichts, was gesprochen, geschrieben, gefaxt oder gemailt wird, das nicht von den Abhöreinrichtungen der NSA aufgeschnappt, gespeichert und verwertet wird - an jedem Ort und zu jeder Zeit. (...) Gemessen an all diesen Superlativen erscheint es umso unverständlicher, dass die USA von den Terroranschlägen am 11. September derart unvorbereitet überrascht wurden." (sz 30.10.01)

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