"Botschaft an Soldaten, Möchtegern-Soldaten und  andere Jugendliche"
 von Jeff Paterson, Mitglied der
 'Vietnam Veterans Against the War Anti-Imperialist'


(ND 09.10.01)

"Im August 1990 war ich Obergefreiter bei den US Marine Corps. Man beorderte mich in den Nahen Osten. Der Golfkrieg drohte. Vier Jahre zuvor hatte ich mich, weil ich dachte, ich hätte nichts Besseres mit meinem Leben anzufangen, in Salinas, Kalifornien, freiwillig zum Militärdienst gemeldet und der Rekrutierungsstelle gesagt, sie sollten mich »dort einsetzen, wo ich am meisten gebraucht werde«. »Was soll ich mit meinem Leben machen?« Dies war und ist eine enorm wichtige Frage für Jugendliche. Heute, nach dem Schrecken und der Tragödie des 11. September, ist sie für Millionen junger Menschen wichtiger als je zuvor. Wer die Bilder gesehen hat, wird sie nie vergessen. (...) Nun hören wir im Fernsehen den Ruf nach »Rache«, »endloser Gerechtigkeit« und »Etwas muss geschehen!«. Es weht die rot weiß blaue Fahne, um das Leid zu lindern, und wir sagen damit: »Das lassen wir uns nicht gefallen!«. Vielleicht wäre ich heute auch einer dieser Jugendlichen, die sich jetzt anwerben lassen, wenn ich nicht diese vier Jahre bei den Marines verbracht hätte. Meine Einheit trainierte die meiste Zeit für den Kampf gegen Bauern, die in ihren Ländern Nicaragua, EI Salvador und Guatemala wagten, gegen »amerikanische Interessen« zu verstoßen. Ich sah bittere Armut auf den Philippinen, von der amerikanischen Regierung sanktionierte Prostituierten Ringe im Dienst der USA Streitkräfte in Südkorea, ungehemmten Rassismus gegen die Menschen in Okinawa und Japan, wo die Standardantwort für ein Kind, das mit dem Friedenszeichen grüßte, lautete: »Warte nur, Schlitzauge, zwei Bomben sind auch für dich.« (...) Als die Vereinigten Staaten den Golfkrieg begannen, hatte ich begriffen, dass die Welt keinen weiteren amerikanischen Soldaten mehr brauchte oder wollte.

Auch wenn sie mir nicht wirklich ähnlich sahen, fand ich, dass ich mehr mit den einfachen Leuten im Nahen Osten gemein hatte als mit denen, die mir befahlen, sie zu töten. Es war auch nicht beruhigend, den Kommandeur meiner Einheit zu hören, der sagte, wir würden »diese Lumpen atomisieren, bis sie glühen«, wenn etwas schief ginge. Ich lehnte mich dagegen auf und erklärte öffentlich, ich wolle keine Figur in Amerikas Machtspiel um Profit, Öl und Herrschaft im Nahen Osten sein. Ich forderte zum Widerstand auf und verkündete, dass ich, wenn man mich in die saudiarabische Wüste bringen würde, mich weigern würde zu kämpfen. Ein paar Wochen später setzte ich mich auf die Startbahn, während Hunderte von Marines, ... an mir vorbei gingen und ins Flugzeug stiegen. Ich kämpfte den Golfkrieg aus einem Militärgefängnis heraus. Nachdem Kriegsgegner in aller Welt mir halfen, freizukommen, kämpften wir auf den Straßen weiter. Damals gelang es uns jedoch nicht, den Krieg zu stoppen. (...) Man muss nicht Pazifist, Kommunist, Ouäker oder Humanist sein, um sich gegen diesen Krieg zu wenden. Doch es ist gewiss hilfreich, lnternationalist zu sein und zur Kenntnis zu nehmen, dass unsere gemeinsame Zukunft von der Mehrheit der Menschheit abhängt, nicht von denen, die diese schreckliche Chance nutzen, um mit Krieg zu drohen. Ihr, die Männer und Frauen in Uniform, müsst jetzt eine Entscheidung treffen. Eure Befehlsgeber erwarten, dass ihr schweigt. Doch die Interessen der Menschheit erwarten mehr von euch. Denkt. Redet. Und wenn ihr euch zum Widerstand entschließt, dann wisst, dass Hunderttausende euch terstützen werden. Viele von ihnen sind schon auf die Straße gegangen, um gegen diesen Krieg zu protestieren."

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