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"Befriedung" auf amerikanische Art" , schreibt Rainer
Werning in der jungen Welt vom 21.01.02 "Am Wochenende
kam es in der philippinischen Hauptstadt Manila und in zahlreichen anderen
Städten des Landes zu ersten größeren Protesten gegen
die Anlandung von 660 US-amerikanischen GIs - darunter 160 'Elitesoldaten'
der Green Berets und Navy Seals. Auf Spruchbändern forderten die
Demonstranten einen sofortigen Stopp der US-Einmischung im Süden
des Inselstaates und attackierten zugleich die seit genau einem Jahr amtierende
Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo als 'Marionette des Yankee-Imperialismus'.
Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hat sich die Präsidentin
zur größten Anhängerin des von US-Präsident George
W. Bush geführten "antiterroristischen Feldzuges" in Südostasien
gemausert. Für diese Vasallentreue stellt Washington ihr im Gegenzug
umfangreiche Finanz- und Militärhilfe zur Verfügung. Öl ins antiamerikanische
Feuer hatte ausgerechnet der aus dem US-Bundesstaat Kansas stammende Senator
Sam Brownback, gleichzeitig Mitglied im Senatsausschuss für auswärtige
Angelegenheiten, gegossen. Dieser hatte unumwunden erklärt, nach
Afghanistan konzentriere sich der 'weltweite Kampf gegen den Terror' nunmehr
auf die Philippinen. Nachdem die USA den
Spaniern 1898 die Philippinen für 20 Millionen Dollar abgekauft hatten
und unter dem Banner 'wohlwollender Assimilierung' zur neuen Kolonialmacht
der Inseln avanciert waren, nahm kurz darauf das bis dahin größte
Kolonialmassaker in der Geschichte seinen Lauf. Im Februar 1899 begannen
die USA den 'Philippinisch-Amerikanischen Krieg', um den Widerstand der
Filipinos zu brechen. Bis zum Sommer 1902 dauerte dieser Krieg. 150000
US-Soldaten waren damit befasst, die Inseln zu 'befrieden', vor allem
den renitenten (vorwiegend muslimischen) Süden zu unterwerfen. Die
um 1900 etwa 6,5 Millionen Einwohner zählende Bevölkerung der
Philippinen wurde buchstäblich dezimiert; insgesamt starb knapp eine
Million Menschen - in erster Linie Zivilisten. Genau ein Jahrhundert
nach diesem Kolonialmassaker sind jetzt erneut US-Kampftruppen im Süden
aktiv und sollen dort den philippinischen Streitkräften angeblich
bei der Ausschaltung der Abu-Sayyaf-Gruppe assistieren. Die Regierung
wiegelt ab und bezeichnet diesen Einsatz, der bis zu einem Jahr (!) dauern
kann, als Routineübung im Rahmen alljährlich gemeinsam durchgeführter
Balikatan-(Schulter-an-Schulter) Manöver. Alles sei rechtens, versichert
die Präsidentin und verweist dabei auf den Gemeinsamen Verteidigungspakt
(MDT) aus dem Jahre 1953 sowie auf die beiden Abkommen des Visiting Forces
Agreement (VFA) und Mutual Logistics Support Agreement (MLSA). Diese Verträge
sehen aber zumindest eine entsprechende Unterrichtung durch Washington
vor, während die philippinische Verfassung von 1987 (Kampf-) Einsätze
ausländischer Militärs nur im Falle einer äußeren
Bedrohung oder Invasion gestattet. Pikant ist, dass Vizepräsident
und Außenminister Teofisto Guingona offensichtlich nicht einmal
über die Tragweite der aktuellen Balikatan-Übung informiert
worden war. Militante Arbeiter- und Bauernverbände und die kommunistische Bündnisorganisation der Nationalen Demokratischen Front (NDFP) haben vehementen Widerstand gegen die ihrer Meinung nach zweite US-Militärintervention angekündigt. Im Kongress wird sich ein Untersuchungsausschuss damit befassen, auf welcher Grundlage die Entsendung der US-Truppen letztlich erfolgte. Dass diese sich ausschließlich auf die Bekämpfung der Abu Sayyaf konzentrieren, wird von großen Teilen der Bevölkerung bezweifelt. Vor allem die Linken und der organisierte Moro-Widerstand befürchten, dass schließlich US-Truppen ihren philippinischen Kollegen dabei behilflich sein sollen, die bewaffneten Verbände der Moro Islamischen Befreiungsfront (MILF) und der Guerilla der Neuen Volksarmee (NPA) aufzureiben. Bereits am Wochenende hat Verteidigungsminister General Angelo Reyes, ein Hardliner im Kabinett von Frau Arroyo, die Katze aus dem Sack gelassen und die NPA als nächstes Ziel der gemeinsamen philippinisch-amerikanischen Militärstrategie ausgemacht." (jW 21.01.02) |