"Vorwärts zum Aufbau"

überschreibt die tageszeitung einen Artikel zum Besuch einer deutschen Wirtschaftsdelegation in Afghanistan


Als 'außerordentlich positiv und erstaunlich konkret' bezeichnet Klaus-Jürgen Wilhelm vom Energieanlagenkonzern ABB den Besuch bei der erst seit sieben Wochen amtierenden afghanischen Interimsregierung. Deren Mitglieder verfügen zum Teil erst seit wenigen Tagen überhaupt über Gebäude für ihre Ministerien. Doch: 'Die Gesprächspartner waren sehr gut informiert und wussten, worüber sie reden', sagt Wilhelm zur taz. Angetan sind die Manager von der Begeisterung, die den Deutschen in Afghanistan entgegengebracht wird. 'Wenn man sagt, man kommt aus Deutschland, sieht man ein Leuchten in den Augen, so Wilhelm. Der Siemens-Manager, Oberg, ergänzt: 'Wir haben alle gespürt, dass Deutschland für Afghanistan ein Wunschpartner ist.'

Für Siemens könnte sich das bald auszahlen. Der Konzern baute vor langer Zeit das afghanische Telefonsystem auf und könnte jetzt den Auftrag erhalten, das System mit landesweit nur 60.000 Anschlüssen instand zu setzen und auszubauen. Dabei locken zwei chinesische Firmen mit günstigen Angeboten. Doch der afghanische Telekommunikationsministet Abdul Rahim signaIisierte der von Wirtschaftsstaatsekretär Sigmar Mosdorf (SPD) geführten Delegation, dass die afghanische Regierung Siemens bevorzugen würde.

Ebenfalls positiv überrascht ist die deutsche Delegation, in der Bau-, Energie- und Autokonzerne vertreten sind, als ihr beim Energieministerium gleich eine Liste mit konkreten Projekten vorgelegt wird. Und mit Kabuls Bürgermeister unterzeichnen drei deutsche Bauunternehmer eine Absichtserklärung über die Lieferung einer Asphaltmischanlage. In nur sechs bis acht Wochen soll die Anlage in Afghanistan eintreffen - sofern die Finanzierung gesichert ist. Da Afghanistan über keine Einnahmen verfügt, müssen alle Geschäfte aus den bei der Geberkonferenz in Tokio Ende Januar zugesagten Wiederaufbaugeldern finanziert werden. 2,2 Milliarden Euro stehen in diesem Jahr bereit. Doch zunächst muss in Afghanistan überhaupt eine Infrastruktur aufgebaut werden, die so viel Geld verwalten und sinnvoll ausgeben kann. Bis dahin könne es noch Monate dauern, sagt der für Afghanistan zuständige Manager der Weltbank, William Byrd.

Man braucht Zahlungsmechanismen, institutionelle Kapazitäten, Ausschreibungsmodalitäten und Buchhaltungsverfahren', so Byrd, dessen Institution diese zunächst schaffen will, bevor sie größere Projekte startet.
Staatssekretär Mosdorf deutet an, dass die für Afghanistan verhängte Sperre von Hermesbürgschaften bald aufgehoben werden könnte. Er freut sich, dass Deutschland nach der Niederlage der Taliban als erstes Land eine Wirtschaftsdelegation schickt. Auf die Frage, ob sich die Manager keine Sorgen machen, hier zu investieren, antwortet der Bauunternehmer Günter Papenburg: 'Wir haben auf dem Balkan erlebt, dass durch die Präsenz einer internationalen Friedenstruppe einschließlich der Bundeswehr eine gewisse Sicherheit gegeben wird.'" (taz 13.02.02)

Zum selben Thema schreibt das Handelsblatt:
"Das Auftragsvolumen für das Festnetz könnte nach Angaben des Ministeriums in einem ersten Schritt deutlich über 40 Mill. $ betragen. Zwar liegt dem Ministerium bereits eine chinesische Offerte vor, die mit 125 $ je Telefonkunden äußerst preiswert kalkuliert, doch genießt die Siemens-Qualität in Afghanistan einen hohen Rang. Das Unternehmen hatte bereits in der Vergangenheit das Land mit Verteilerstationen ausgestattet. 'Siemens kann hier ein digitales System aufbauen und gleichzeitig das vorhandene analoge System reparieren', stelle Rahim [afghanischer Telefonminister] eine Bedingung. Im analogen Netz sind in Kabul 22.000 Kunden angeschlossen, das digitale zählt 12.000 Anschlüsse. (...) Heftige Kritik übte der Minister an der Uno und der schwedischen Firma Ericsson. Sowohl das schwedische Mobilfunkunternehmen wie auch das sogenannte NGO-Forum, eine Art Dachverband von Nichtregierungsorganisationen in Afghanistan, werben bereits Kunden für ein Ericsson-Mobilfunknetz in Kabul an. (...) 'Unter dem Deckmantel der humanitären Hilfe will man hier Geschäfte machen'. (HB 11.02.02)

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