30.08.00

Woche aktuell 35/2000

Sofortige Abschaltung aller Atomkraftwerke: geht das Licht aus?

Von den bürgerlichen Politikern und kaum einem Experten wird ernsthaft die Möglichkeit diskutiert, alle Atomkraftwerke sofort abzuschalten. Diese Forderung muss jedoch durchgesetzt werden, weil es die einzig wirksame Maßnahme ist, um die Gefahren zu bekämpfen, die von den Atomanlagen ausgehen, die durch z.T. schon jahrzehntelangen Betrieb immer maroder werden, und von den ungelösten Transport- und Endlagerproblemen.

In Deutschland beträgt der Anteil der Kernenergie an der gesamten Stromerzeugung 32%, in anderen europäischen Ländern zwischen 0% in den Österreich und 78% in Frankreich, weltweit liegt der Anteil bei etwa 8%. (Quelle: VDEW)

Diese Woche gab der aus der Fusion von VEBA und Viag hervorgegangene neue Konzern E.ON Energie AG bekannt, er werde einen Teil seiner konventionellen Kraftwerke stilllegen. Auch RWE/VEW erwägen dies nach Zeitungsmeldungen. Überkapazitäten auf dem europäischen Strommarkt werden offiziell als Grund angegeben.
Die Überkapazitäten etwa in der Größenordnung des Anteils der Kernenergie. Aber konventionelle Kraftwerke sollen stillgelegt werden - weil die AKWs profitabler sind: sie haben sich z.T. schon amortisiert, zumal ihre Entwicklung und ihr Bau in den 70er und 80er Jahren kräftig aus Steuermitteln subventioniert wurde. D.h.: ihr weiterer Betrieb ist für die Konzerne wie eine Lizenz zum Gelddrucken.
Also: das Licht geht nicht aus, es geht nur um den größtmöglichen Profit!

Wegen der Überkapazitäten und eines stagnierenden bzw. leicht rückläufigen Primärenergieverbrauchs muss nicht mehr Kohle, Gas oder Öl verbrannt werden, wenn alle AKWs stillgelegt werden.
Außerdem gehen bei der Energieumwandlung (Erzeugung v.a. von Strom aus Kohle, Erdöl, Gas, Kernenergie, Wasserkraft etc.) und der Energienutzung immer noch fast 2/3 der eingesetzten Energie verloren. Durch Investitionen in die Verbesserung der Effizienz der Energieumwandlung ließe sich ein erheblicher Teil des Einsatzes von Kohle, Erdöl und Gas einsparen - also auch die notwendigen Ziele der Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes erreichen. Doch die Konzerne stecken ihre Profite in Fusionen im Kampf um die Vorherrschaft am Markt. Sie verdrängen dabei bewusst kleinere Anbieter, die mit Wind- und Solarenergie Strom ohne CO2 – Emissionen erzeugen.

Quellen: Bonner Generalanzeiger 23.8.00; www.Umweltbundesamt.org; Globus Info Grafiken

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