26.7.2000

Woche aktuell 30/2000

Die größten deutschen Industrieunternehmen 1999

Das Jahr 1999 verlief für die 100 größten deutschen Industrieunternehmen sehr widersprüchlich. Hohen Umsatzzuwächsen beim größten Teil der Konzerne standen Umsatzrückgänge bei 28 anderen gegenüber: Gründe dafür waren der Verkauf von Unternehmensteilen, Produktionsrückgänge wie in der Stahlindustrie, Preissenkungen als Mittel des Konkurrenzkampfs wie auf dem Energiemarkt, oder der Rückfall im Konkurrenzkampf wie bei Opel und Ford.

Auffällig ist eine immer stärkere Zusammenballung wirtschaftlicher und politischer Macht in der Spitzengruppe. Allein auf die ersten zehn Konzerne entfällt ein Umsatz von 1.033 Milliarden DM und eine Zahl von 2,22 Millionen Beschäftigten. Das entspricht einem Anteil von 55,5 % bzw. 52,6 % an den 100 größten Industriemonopolen. Der Umsatz des größten Konzerns DaimlerChrysler ist größer als der Umsatz der letzten 50 zusammen und hundertmal größer als der Umsatz des vor 40 Jahren größten Industriekonzerns, Krupp. Die 20 größten Konzerne vereinen auf sich über zwei Drittel des Gesamtumsatzes von 1,86 Billionen DM und der Gesamtbeschäftigtenzahl von 4,22 Millionen der 100 größten Konzerne.

Die Rangliste der größten deutschen Unternehmen verändert sich in immer kürzeren Abständen. Von den 1999 aufgeführten Unternehmen werden Mannesmann, VEW und Viag in der Aufstellung für das Jahr 2000 gar

nicht mehr erscheinen, weil sie im Zuge der Neuorganisation der internationalen Produktion mit anderen Unternehmen fusioniert oder zerschlagen worden sind.

Unternehmen

Umsatz

Änderung

Gewinn

Beschäftigte

Mio. DM

in %

Mio. DM

in 1000

1. DaimlerChrysler

293.345

13,8

11.238

466,9

2. Volkswagen

147.013

9,5

1.651

306,3

3. Siemens

134.134

14,0

3.648

443,0

4. Veba

95.763

25,4

5.676

131,6

5. BMW

67.285

6,6

-4.864

115,0

6. RWE

66.267

1,8

3.022

155,6

7. Thyssen Krupp

63.325

-9,8

1.205

184,8

8. BASF

57.644

6,6

2.434

104,6

9. Bosch

54.579

8,4

900

194,9

10. Bayer

53.433

-2,6

3.647

120,4

11. Mannesmann

45.510

22,0

972

130,9

12. Viag

38.113

-22,4

497

81,8

13. Opel

32.024

5,8

-81,2

42,3

14. Aventis Pharma

27.188

.

.

76,0

15. RAG

26.698

-2,9

330,6

101,8

16. MAN

25.927

4,9

725

66,8

17. Ford

25.894

-6,7

-434,2

42,1

18. Degussa-Hüls

24.163

-2,0

508,9

45,3

19. Henkel

22.220

4,1

790,2

56,4

20. Continental

17.861

35,4

459

62,6

Wenn die bürgerlichen Medien und Statistiker von "Deutschlands 100 größten Unternehmen" sprechen, so ist das nur insofern richtig, weil rund drei Viertel ihren Sitz in Deutschland haben und hier bedeutende Werke liegen. Ein Viertel sind Töchter ausländischer multinationaler Konzerne, wie Opel und Ford. Längst sind die führenden "deutschen Unternehmen" internationale Monopole, die den größten Teil ihres Umsatzes im Ausland erzielen.

Was den Börsenwert angeht, mit dem die Monopole in den internationalen Übernahmeschlachten gehandelt und eingestuft werden, liegen die deutschen Unternehmen weiter hinter ihrer Konkurrenz aus den USA zurück. Von den weltweit 100 Unternehmen mit dem höchsten Börsenwert stellt die BRD nur fünf, an der Spitze die Deutsche Telekom mit 180 Mrd. Dollar. Der gesamte Börsenwert dieser 100 Firmen beträgt 12,4 Billionen Dollar. Davon entfallen 7,8 Billionen Dollar auf 58 US-Unternehmen. Dieser Wert ist gegenüber den tatsächlichen Umsätzen und Gewinnen gewaltig aufgebläht, indem auf zukünftige Profite, steigende Aktienkurse und höchstprofitablen Verkauf ganzer Konzernteile an der Börse spekuliert wird. Das verstärkt den Zwang zur Vernichtung des angehäuften Kapitals, das in der Produktion nicht mehr maximalprofitbringend angelegt werden kann, durch immer neue Fusionen und Firmenübernahmen. In der Automobilindustrie hat sich der Konzentrationsprozess enorm beschleunigt. Es wird davon ausgegangen, dass es bald weltweit nur noch sechs eigenständige Monopolgruppen gibt.

Je gigantischer die Fusionen, desto mehr davon scheitern aus unterschiedlichen Gründen: am Widerstand der Beschäftigten gegen die Umstrukturierungspläne, an der mangelnden Akzeptanz bei den Kunden, weil sich das Management nicht einigen kann oder auch aufgrund widersprüchlicher nationalstaatlicher Interessen. Beobachtet wird deshalb ein stärkerer Trend zu "Allianzen" wie im Fall vom General Motors und Fiat.

Quelle: FAZ-Beilage "Die 100 größten Unternehmen", 4.7.2000

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