21.6.2000

Woche aktuell 25/2000

Sprunghafte Entwicklung der IT-Technologie

Die rasante Entwicklung auf dem Gebiet des Internet und der Telekommunikation führt zu neuen weitgehenden Veränderungen und Rationalisierungsmöglichkeiten im Bereich der internationalen Organisation der Produktion, der Verwaltung, der Warenverteilung, aber auch der Organisation der privaten Haushalte. Eine wesentliche Grundlage dafür ist die schnelle Verbreitung von PC´s, Internet-Anschlüssen und Handys.

Die weltweite Zahl der Personal Computer wird sich von 384 Millionen 1998 auf voraussichtlich 508 Millionen im Jahr 2000 entwickeln. Die Zahl der Internet- bzw. Online-Abonnenten von 133 Millionen auf 220 Millionen im gleichen Zeitraum. Die höchste Dichte der ISDN-Anschlüsse besteht mit 151 je 1000 Einwohner in Deutschland, gefolgt von Japan mit 80 und Frankreich mit 65. Die höchste Dichte von Mobiltelefon-Besitzern hat mit 49 je 100 Einwohnern Italien, gefolgt von Japan mit 39 und den USA mit 30 (Deutschland liegt mit 25 an sechster Stelle). Die höchste Dichte von Internet- bzw. Online-Abonnenten haben mit 28 je 100 Einwohner die USA, gefolgt von Großbritannien mit 16 und Deutschland mit 13. Die höchste Dichte von PC´s je 100 Einwohner haben ebenfalls die USA mit 61, gefolgt von Schweden mit 58 und Norwegen bzw. der Schweiz mit je 50 (Deutschland liegt mit 32 an neunter Stelle).

In Deutschland geht man für 1999 von 10 Millionen Internet-Nutzern aus, für 2000 werden 18 Millionen erwartet. Allein 1999 wurden 3,5 Millionen Neuanschlüsse vorgenommen. Drei Viertel aller Deutschen haben laut einer Forsa-Umfrage jedoch bis jetzt kein Interesse am Internet. Von 519 Befragten nutzten 23 Prozent regelmäßig das Internet, davon die Hälfte täglich. 14 Prozent haben eine eigene Homepage. 44 Prozent der befragten Abiturienten surfen im Internet, aber nur 8 Prozent der Befragten mit Hauptschulabschluß. Bei den Arbeitern waren es 12 Prozent. Gefragt ist das Internet vor allem zur Übersendung von e-mails und zur Informationsbeschaffung. Die allermeisten haben sich ihre Kenntnisse selbst beigebracht oder von Freunden gelernt.

Weitreichende Auswirkungen hat die Entwicklung des e-commerce, des Handels über das Internet. Im Jahr 1999 haben deutsche Internet-Nutzer bereits 1,2 Millionen Bücher und eine halbe Million Textilien am Bildschirm gekauft. Eine Studie von Roland Berger schätzt die Umsätze im e-commerce für Deutschland im letzten Jahr auf 2,9 Mrd. DM. Bis 2001 sollen es schon 27,8 Mrd. DM sein. Nach rasanter entwickelt sich der Internet-Handel zwischen den Betrieben. Die Marktforscher mehrerer Institute prognostizieren übereinstimmend, daß in fünf Jahren mehr als 65 Prozent aller Geschäftstätigkeiten weltweit über das Internet abgewickelt werden.
Das Vorstandsmitglied der Siemens AG Wucherer geht von folgenden Rationalisierungspotentialen in der Industrie aufgrund des verstärkten Einsatzes der IT-Technologie aus: Bei der Anlagenerrichtung könnten bis zu 40 Prozent Kosten eingespart werden, beim gesamten "Geschäftsprozeß" bis zu 30 Prozent und beim Produktionsprozeß bis zu 10 Prozent. Erreicht werden soll dies vor allem durch die Vernetzung und Standardisierung der "Unternehmensleitsysteme" mit den Automatisierungssystemen in der Fertigung.

Die Informationstechnik- und Telekommunikations-Branche hat in Deutschland derzeit rund 700.000 Beschäftigte und macht einen Umsatz von jährlich rund 205 Mrd. DM. Ein weiteres sprunghaftes Wachstum wird vor allem durch die Einführung der "zweiten Internet-Welle" erwartet, in der die stationären PC´s mehr und mehr durch Handys und mobile Rechner ersetzt werden.
Die IT-Branche soll die Rolle eines Vorreiters einer weitgehenden Flexibilisierung aller Arbeitsbedingungen übernehmen. Derzeit gibt es in Deutschland rund 1.500 Multimedia-Firmen. 54 Prozent von ihnen sind im Bereich Marketing tätig, 13 Prozent im e-commerce-Bereich. Jeder dritte Betrieb hat weniger als 10 Beschäftigte, bei jeweils einem weiteren Drittel sind es zwischen 10 und 19 bzw. zwischen 20 und 99 Beschäftigt. Nur wenige Firmen sind größer. Knapp zwei Drittel der Beschäftigten sind fest angestellt, die übrigen sind "freie Mitarbeiter" und Praktikanten. Im Schnitt verbringen die Beschäftigten in dieser Branche 47,5 Stunden hinter dem Schreibtisch. Der Arbeitswissenschaftler Ertel sieht eine Gefährdung der Gesundheit der Beschäftigten in dieser Branche vor allem durch die "verschwimmenden Grenzen zwischen Arbeit und Privatsphäre". Von den Computer-Fachleuten werde heute im Prinzip erwartet, daß sie wie Singles leben, rund um die Uhr dem Betrieb zur Verfügung stehen, mit hoher Konzentration bis in die Abendstunden, in das Wochenende und notfalls auch nachts arbeiten. Psychosomatische Erkrankungen, Hörstürze und Tinnitus-Erkrankungen nehmen zu.

Quelle: FR, FAZ 24.2.00; KStA 27.4.00; Die Messe, Nachrichten und Reportagen, CeBIT Februar 2000; FAZ- u. FR-Sonderbeilage CeBIT 22.2.00; HB-Sonderbeilage Hannover-Messe 15.3.00; PC Professional 4/2000

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