21.6.2000 Woche aktuell 25/2000 Entwicklung der internationalen Strukturkrise in der Automobilindustrie Der Hintergrund für die Streiks bei Opel und die Zunahme selbständiger Kämpfe in anderen Automobilfirmen sind weitgehende Umstrukturierungspläne der Automobilkonzerne zum Abbau der riesigen Überkapazitäten. Bereits seit Anfang der neunziger Jahre hat sich eine Vernichtungsschlacht zwischen den internationalen Automobilmonopolen entwickelt, die die Zahl der eigenständigen Konzerne weltweit auf nur noch 13 verringert hat. In den sechziger Jahren lag sie noch bei rund 50, vor zwei Jahren bei 18. Es wird damit gerechnet, dass bis in zehn Jahren nur noch 5 bis 6 eigenständige Konzerne übrigbleiben. Ford-Chef Nasser sieht heute den Mindestmarktanteil bei 5 Millionen Fahrzeugen, um im internationalen Konkurrenzkampf bestehen zu können. 53 Millionen Fahrzeuge wurden 1998 weltweit produziert. Eine Hauptmethode dieser Vernichtungsschlacht bestand in den letzten Jahren in einer enormen Ausweitung der Modellpalette. 50 Prozent der Neuzulassungen entfallen derzeit auf Modelle, die weniger als drei Jahre auf dem Markt sind. Das führte allerdings zu steigenden Überkapazitäten, zumal jeder Konzern hoffte, seinen eigenen Marktanteil auf Kosten der Konkurrenten auszudehnen. Weltweit werden die Überkapazitäten auf 22 Millionen Fahrzeuge, also rund 42 Prozent der Gesamtproduktion geschätzt. Stieg die Weltproduktion im letzten Jahr noch von 53,0 auf 55,7 Millionen Fahrzeuge, kommt es seit Anfang des Jahres zu Einbrüchen. In Deutschland lagen die PKW-Neuzulassungen in den ersten 5 Monaten dieses Jahres um 10 Prozent unter dem Vorjahreswert. Trotz Exportwachstum von 5 Prozent mußte die PKW-Produktion bereits um 1 Prozent gedrosselt werden. Der Verband der Deutschen Automobilindustrie sieht folgende Ursachen: "Maßgeblich für das Klima dieser Kaufzurückhaltung im Inland sind der hohe und vergleichsweise junge Gebrauchtfahrzeugbestand und in zunehmendem Maße die ... gestiegenen Kraftstoffpreise sowie die Verteuerungswirkung durch die beiden ersten Stufen der Ökosteuer."
Gleichzeitig zwingt die enorme Aufblähung der Investitionen in Forschung und Entwicklung (1999 um 10 Prozent auf fast 20 Mrd. DM) zur Erhöhung der Stückzahlen. Rund 6 Mrd. DM kostet heute die Entwicklung eines neuen PKW. Diesen Widerspruch können die Automobilmonopole nur durch weitere Fusionen, Zusammenlegungen und Umstrukturierungen ganzer Konzernteile lösen. Dabei gehen sie verstärkt zu Kooperationen und Joint-Ventures einzelner Teilbereiche wie im Fall von Opel und Fiat über, um die bestehenden Konzernstrukturen zu zerschlagen und größere Fusionen vorzubereiten. Bei Opel und Fiat hat das gravierende Auswirkungen auf die Arbeitsplätze, da es weitgehende Überschneidungen in der Produktion und Produktpalette beider Konzerne gibt. GM will durch Zusammenlegung der Entwicklungszentren, des Einkaufs und der Motoren- und Getriebeproduktion von Opel und Fiat seinen Profit um 2,5 Mrd. DM pro Jahr erhöhen. Davon sind zunächst rund 5.000 Beschäftigte betroffen. Weitere Kooperationen sollen bis zu 5 oder gar 8,5 Mrd. DM an jährlichen Profitsteigerungen bringen. Vorgesehen ist unter anderem eine Spezialisierung von Opel auf Benzinmotoren und von Fiat auf Dieselmotoren. Ford will europaweit die Produktion in seinen Standorten auf Stückzahlen von mindestens 200.000 pro Modell zusammenfassen. DaimlerChrysler plant gemeinsam mit Mitsubishi ab 2002 die Produktion eines "Weltautos" mit 5 Millionen Stück pro Jahr. In Folge dieser Entwicklung werden ganze Konzernteile platt gemacht und weitere hunderttausende Arbeitsplätze vernichtet. Quelle: www.vda.de; KStA 30.5.00; HB 5.6.00, 15.6.00, 13.6.00; taz 20.6.2000 © GSA e.V., Nachdruck mit Quellenangabe frei
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