5.4.2000 Woche aktuell 14/2000 Warum die neue Shell-Jugendstudie so umstritten ist In der letzten Woche aktuell berichteten wir, daß sich die Autoren der neu erschienenen 13. Shell-Studie gegen eine verzerrende und verfälschende Darstellung ihrer Forschungsergebnisse in den Massenmedien zur Wehr setzen. Sie verwahren sich insbesondere gegen den dadurch erweckten Eindruck, die heutige Jugend sei "unpolitisch" und "hoch ausländerfeindlich". Welche Ergebnisse der Shell-Studie passen der bürgerlichen Meinungsmache nicht in den Kram? Wir dokumentieren die wichtigsten Passagen aus der Zusammenfassung der "Hauptergebnisse": "Als Grundstimmung läßt sich eine deutlich gewachsene Zuversicht in Bezug auf die persönliche wie auch die gesellschaftliche Zukunft festhalten. Die Hälfte aller Jugendlichen beurteilt ihre persönliche Zukunft ‘eher zuversichtlich’; bei der gesellschaftlichen Zukunft gilt das sogar für fast zwei Drittel. Im Vergleich zu der vorangegangenen 12. Shell Jugendstudie bedeutet dies einen deutlichen Anstieg. Die Entwicklung in den alten und neuen Bundesländern hat bei dieser Frage seit 1996 zu einem Gleichklang gefunden. Dennoch läßt sich nicht von einer jungen Generation ‘unbekümmerter Optimisten’ sprechen. (...) In der Zusammenschau spricht wenig für die manchmal zu hörende Unterstellung, die Jugendlichen wüßten angesichts von fortdauernder Arbeitslosigkeit, von Flexibilisierung und Globalisierung sowie vom rasanten Wandel in allen Lebensbereichen nicht mehr aus noch ein. Eher im Gegenteil! Relativ zuversichtlich und überzeugt von der eigenen Leistungsfähigkeit versuchen sie mehrheitlich, aktiv ihre Lebensperspektive vorzubereiten. Sie sind insgesamt weder verängstigt noch leichtsinnig unbekümmert, sondern entschlossen, die Herausforderungen (die sie ‘realistisch’ vor sich sehen) zu meistern." (S. 13) "Das politische Interesse auf Seiten der Jugendlichen sinkt weiter. (...) Es hat zum einen damit zu tun, daß Jugendliche mit dem Begriff Politik die Landschaft von Parteien, Gremien, parlamentarischen Ritualen, politisch-administrativen Apparaten verbinden, der sie wenig Vertrauen entgegenbringen. Zum anderen empfinden Jugendliche die ritualisierte Betriebsamkeit der Politiker als wenig relevant und ohne Bezug zum wirklichen Leben. Zu erinnern ist: Unsere Daten wurden vor jener Kette von Ereignissen erhoben, die inzwischen ‘Parteispendenskandal’ genannt wird. Im Vergleich zur vorhergehenden Studie ist das Vertrauen zu den Institutionen im staatlich-öffentlichen Bereich leicht angestiegen, zu jenen im Bereich der nicht-staatlichen Organisationen deutlich gesunken. Schlußlicht sind aber nach wie vor die politische Parteien. (...) Die Grünen ... haben in dramatischem Umfang Anhänger in der jungen Generation verloren. Für einen anwachsenden Rechtsradikalismus gibt es in unserer Studie keine Anhaltspunkte ... ." (S. 16/17) "Die jungen Leute in Deutschland erweisen sich Europa gegenüber als eher distanziert bis skeptisch. (...) Zur europäischen Entwicklung, zur Einführung des EURO nehmen sie eine durchweg kritische Haltung ein. Für die Mehrheit bedeutet die Rhetorik von der europäischen Einigung eine ‘Fassade’, hinter der es um ganz andere Interessen und Einflüsse geht, als sie vordergründig diskutiert werden. Die meisten konstatieren statt dessen eher ein Europa des großen Geldes als ein Europa des kleinen Mannes." (S. 17/18) "Entgegen den immer wieder zu hörenden Behauptungen wird das Deutschlandbild nicht aus nationalistischen Ideologien gespeist. Das gilt auch für die ausländerfeindlich gesonnenen Jugendlichen, ihr Bild von Deutschland fällt nicht positiver aus als das der anderen Gruppen und ist weit entfernt von nationalistischer Überhöhung. (...) Damit präsentiert sich die junge Generation, die deutsche wie die ausländische, als kritisch-aufmerksame Jugend, die weder anfällig ist für jedweden Hurra-Patriotismus noch für Minderwertigkeitskomplexe oder negative Abwertungen." (S. 18) "Die große Mehrheit der deutschen Jugend (ganz besonders in Ostdeutschland) teilt die Ansicht, daß zu viele Ausländer bei uns leben. Diese Einschätzung hat nicht von vornherein etwas mit Ausländerfeindlichkeit zu tun.... Sie erwächst insbesondere bei denen, die sich schlechtere Chancen ausrechnen und sich eher benachteiligt fühlen, aus der Wahrnehmung einer Konkurrenzsituation zwischen Deutschen und Ausländern. Dies zeigt sich auch daran, daß die wechselseitigen Urteile übereinander relativ ‘normal’ ausfallen. Deutsche und Ausländer bekunden mehrheitlich, sie könnten beide voneinander lernen." (S. 19) "Insgesamt haben wir eine Entwicklung hinter uns, die den ... Kirchen wenig Chancen beläßt, unter den derzeitigen Bedingungen und in den bisherigen Formen Einfluß auf die junge Generation zu gewinnen." (S. 21) Quelle: 13. Shell Jugendstudie "Jugend 2000" © GSA e.V., Nachdruck mit Quellenangabe frei
|