16.2.2000

Woche aktuell 7/2000

Entwicklung der Parteienfinanzierung 1998

Die aktuellen Enthüllungen über illegale Methoden der Parteienfinanzierung und der gegenseitigen Begünstigung zwischen Politikern und Monopolen lassen das legale System der staatsmonopolistischen Parteienfinanzierung über Spenden, staatliche Zuschüsse und Mitgliedsbeiträge in den Hintergrund treten. Legale und illegale Finanzierungsmethoden gehören jedoch eng zusammen und ergänzen sich, um die Durchsetzung der Monopolinteressen zu gewährleisten.

Die jetzt in den Rechenschaftsberichten der Berliner Parteien für 1998 veröffentlichten Listen der Großspender machen deutlich, welch entscheidende Rolle die Spenden der Großindustrie und der Banken hierfür spielen. Prozentual nahm der Umfang der offiziellen Parteispenden 1998 bei allen Berliner Parteien von den drei Finanzierungsarten am stärksten zu (siehe Tabelle).

Entwicklung der 3 Haupteinnahmequellen der Parteien (in Mio. DM):

Art der Einnahmen

1969

1976

1997

1998

Zunahme 1997-98

Beiträge

20,6

55,4

156,8

157,8

0,6%

SPD

Spenden

11,7

19,5

22,4

36,8

64,3%

Staatl. Finanzierung

22,3

30,8

89,6

96,8

8,0%

Beiträge

9,0

42,6

119,9

120,0

0,1%

CDU/CSU

Spenden

21,0

66,3

46,7

90,5

93,8%

Staatl. Finanzierung

20,4

45,4

93,7

91,9

-1,9%

Beiträge

1,4

3,8

10,7

10,4

-2,8%

FDP

Spenden

4,3

14,3

13,9

21,9

57,6%

Staatl. Finanzierung

0,6

6,0

12,1

13,2

9,1%

Beiträge

/

/

21,4

21,6

0,9%

Die Grünen

Spenden

/

/

9,2

11,4

23,9%

Staatl. Finanzierung

/

/

17,3

18,2

5,2%

Beiträge

/

/

16,6

17,3

4,2%

PDS

Spenden

/

/

5,8

7,4

27,6%

Staatl. Finanzierung

/

/

11,9

12,5

5,0%

CDU und CSU sind mit einer Steigerung ihrer Spendeneinnahmen um 93,8 Prozent gegenüber 1997 dabei Spitzenreiter. Es folgen die SPD mit einer Steigerung um 64,3 Prozent und die FDP mit einer Zunahme um 57,6 Prozent. Bei diesen Parteien spielt der Anteil der Konzernspenden eine herausragende Rolle - in wachsendem Maße auch bei der SPD (siehe Tabelle auf der Rückseite). Demgegenüber stagnieren die Beitragseinnahmen bei allen Bundestagsparteien, nur die PDS verzeichnet eine geringfügige Zunahme um 4,2 Prozent. Der Umfang der staatlichen Finanzierung nimmt ebenfalls zu, allerdings reicht das bei weitem nicht aus, um die sprunghaft wachsenden Ausgaben der Parteien für ihre Material- und Medienschlachten in den Wahlkämpfen und die damit verbundene Manipulierung der öffentlichen Meinung zu decken. Der Rückgang des staatlichen Finanzierungsanteils bei CDU und CSU ist vor allem auf die Einbrüche bei den Wählerstimmen im Jahr 1998 zurückzuführen.

Folgende Konzerne, Großaktionäre und Unternehmerverbände waren laut den Rechenschaftsberichten für 1998 bei den ausgewiesenen Spenden über 20.000 Mark die größten Einzelspender:

Die größten Einzelspender der Parteien

CDU:

Immobilienmakler Everding:

1.300.000

Deutsche Bank:

508.956

Johanna Quandt:

500.000

CSU:

FDP:

S. Klatten (BMW-Hauptaktion.):

450.000

Bayerische Metall- u. Elektroind.:

665.000

Adolf Würth&Co KG:

310.000

Verband der Chem. Industrie:

400.000

BMW:

248.447

Stefan Quandt:

250.000

Stefan Quandt:

350.000

Bayerische Chemieindustrie:

150.000

Deutsche Bank:

151.160

Metallindustrie Bad.-Württ.

300.000

Verband der Chem. Industrie:

130.000

S. Klatten (BMW):

150.000

Metall- u. Elektroindustr. NRW:

300.000

Daimler-Chrysler:

130.000

Johanna Quandt:

150.000

BMW:

273.991

Deutsche Bank:

100.000

Verband d. Chemieindustrie:

150.000

Dresdner Bank:

250.000

Bosch GmbH:

70.000

Daimler-Chrysler:

110.000

Altana AG:

220.000

Dresdner Bank:

70.000

Metall- u. Elektroind. NRW:

103.000

Daimler-Chrysler:

185.000

Metallindustrie Bad.-Württ.:

100.000

Henkel AG:

140.000

SPD:

Henkel AG

79.000

Nordw.deutsche Textilindustrie:

124.000

Deutsche Bank:

210.400

Dresdner Bank:

70.160

Deutsche Vermögensb. GmbH:

115.000

Daimler-Chrysler:

185.000

Krauss-Maffei:

25.000

Bosch GmbH:

101.600

Dresdner Bank:

100.400

Märkischer Arbeitgeberverband:

100.000

BGAG

100.000

Heckler&Koch:

40.000

Metallindustrie Baden-Württemb.:

100.000

Bei Bündnis90/Die Grünen stammen die ausgewiesenen Spenden über 20.000 fast durchweg von Abgeordneten und Funktionären. Auch bei der PDS sind unter den 13 namentlichen Spendern vor allem Abgeordnete.

Quelle: Bundestagsdrucksache 14/2508; KStA 1.2.00; FAZ 1.2.00

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