Das Geschäft mit der Prostitution in Deutschland

Bundesfrauenministerin Christine Bergmann (SPD) will die Prostitution als Beruf weitgehend anerkennen. Ein entsprechender Gesetzesentwurf soll im kommenden Jahr in den Bundestag eingebracht werden. Prostituierte sollen dadurch die Möglichkeit sozialer Absicherung erhalten, was ihnen derzeit verwehrt sei. Interessenverbände der Prostituierten haben sich seit langem dafür eingesetzt. Die Grünen begrüßten den "Vorstoß zur Entdiskriminierung der Prostitution", für die CSU ist er ein "verheerendes Signal an junge Frauen". (NRZ 7.8.99) Justizministerin Däubler-Gmelin (SPD) bezeichnet das "Schwedische Modell" als Vorbild. Dort werden nicht die Prostituierten kriminalisiert, sondern die erwischten Freier bestraft. (KStA 10.8.99)

In verschiedenen Medien und Fernsehsendungen wird derzeit versucht, die Prostitution zum "normalen" Gesellschaftszustand zu erklären. Sie soll vor allem für junge Frauen als individueller Ausweg mit hohen Verdienstmöglichkeiten erscheinen. In der ZDF-Sendung "Raus aus Puff und Pumps" am 29.6.99 kam eine ehemalige Prostituierte zu Wort: "Ich konnte mir viele schöne Dinge leisten."

Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus, wie die Monatszeitschrift des Deutschen Frauenrates 5/97 berichtet:

Auf dem Straßenstrich oder im Eros - Center sind die Einnahmen der Prostituierten eher gering, denn die Unkosten sind hoch. Den Preisen für einfache "sexuelle Dienstleistungen" zwischen 80 und 150 Mark stehen hohe Ausgaben gegenüber. Diejenigen, die für einen Zuhälter arbeiten, müssen für ihren "Schutz" bezahlen. Werden sie an einen anderen Zuhälter "verkauft" müssen sie diesen Verkaufspreis selbst abarbeiten. Im Eros-Center kostet ein Zimmer pro Nacht 150 Mark und mehr. Diese Summe muß jede Nacht aufgebracht werden, auch bei Krankheit, Urlaub und unabhängig von den Einnahmen. Verdienste über 3.000 Mark bei Prostituierten sind selten.

Unter den Prostituierten sind Hauptberufliche, aber auch andere, die dieser Tätigkeit nur gelegentlich nachgehen, darunter Hausfrauen oder Studentinnen. Nicht wenige Prostituierte sind Minderjährige, darunter viele Drogenabhängige. Die Zahl ausländischer Prostituierter, die sich illegal in Deutschland aufhalten, wächst und die Zahl der Ausländerinnen, die zur Prostitution gezwungen werden, steigt. Etwa eine halbe Million Frauen wurden nach Schätzungen von Experten 1997 zu diesem Zweck von Menschenhändlern unter falschen Versprechungen überwiegend aus den ehemaligen Ostblockländern in die Länder der EU eingeschleust. Schätzungen darüber liegen zwischen 50.000 und 400.000. Prostituierte können bisher keine klassischen Arbeitsverhältnisse eingehen und sind damit weder renten- noch arbeitslosenversichert.

Folgende Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Prostitution in Deutschland:

  • etwa 400.000 Prostituierte gibt es in Deutschland
  • mehr als eine Million Männer suchen täglich Prostituierte auf
  • 12,5 Milliarden Mark pro Jahr werden für sexuelle Dienstleistungen ausgegeben
  • 250 Millionen solcher Dienstleistungen werden pro Jahr gekauft

Die Prostitution ist ein profitables Geschäft, mit dem Milliarden-Umsätze erzielt werden. Joachim Riecker, einer der Autoren, die sich gründlich mit diesem Thema beschäftigt haben, schätzt: Aufs Jahr gerechnet liegt die Summe bei knapp elf Milliarden Mark. Dies entspricht dem Umsatz von Konzernen wie Nixdorf, AEG oder Tschibo. (Alle Angaben aus: Monatszeitschrift Deutscher Frauenrat 5/97)

Dennoch ist die damit verbundene Ausbeutung und Erniedrigung der Frauen kein unveränderlicher, ewig währender Zustand. Friedrich Engels schrieb 1878 im "Anti-Düring" zu den gesellschaftlichen Ursachen der Prostitution:"(...) der Aufschwung der Industrie auf kapitalistischer Grundlage erhob Armut und Elend der arbeitenden Massen zu einer Lebensbedingung der Gesellschaft. (...) Die Prostitution breitete sich aus in bisher unerhörtem Maß. Die Ehe selbst blieb, nach wie vor, gesetzlich anerkannte Form, offizieller Deckmantel der Prostitution, und ergänzte sich zudem durch reichlichen Ehebruch." Im "Kommunistischen Manifest" schrieben Marx und Engels: "...Es versteht sich übrigens von selbst, daß mit Aufhebung der jetzigen Produktionsverhältnisse auch die aus ihnen hervorgehende Weibergemeinschaft, d.h. die offizielle und nichtoffizielle Prostitution, verschwindet." (Beides zitiert aus Stefan Engel "Der Klassenkampf und der Kampf um die Befreiung der Frau, I.Teil, S. 185/186)


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